Predigten

TAUFE DES HERRN: A. ”Was nicht angenommen ist, ist auch nicht erlöst“.

n   LUKE MBEFO, C.S.Sp.

Mit dem Fest der Taufe des Herrn am Sonntag nach Erscheinung des Herrn endet offiziell der Weihnachtsfestkreis. Ab Morgen beginnt die „grüne Welle“ im Jahreskreis (d.h. die liturgische Farbe im Gottesdienst ist Grün); das Fest der Taufe des Herrn ist also auch ein Schwellentag hinüber in das gewöhnliche Jahr. Theologisch gehört das Geheimnis der Taufe Jesu eigentlich zum Festtag der Erscheinung des Herrn. Die Anbetung der Weisen, die Taufe am Jordan und das Weinwunder zu Kana sind die ersten biblische Berichte über das Leben Jesu, bei denen öffentlich deutlich wird, wer dieser Mensch ist. In diesen Ereignissen offenbart sich Gottes Herrlichkeit im Leben des Jesus aus Nazareth. Deshalb gehören diese drei Inhalte auch eng zusammen. In der Liturgie ist diese Verbundenheit nicht mehr so deutlich wahrzunehmen, sind die drei Festgeheimnisse heute doch auf drei unterschiedliche Tage verteilt. Doch in ihrem Kontext oder Sinnzusammenhang gehören die drei Bibelepisoden eng zusammen: In ihnen zeigt sich, wer Jesus wirklich ist: Gottes geliebter Sohn, an dem er sein Gefallen gefunden hat.

Und hier erhebt sich eine theologische Frage: Als Sohn Gottes hat Jesus dieses Wasserbad nötig? Was muss an Ihm gereinigt und erneuert werden, wovon sollte er abgewaschen werden? Er reiht sich ein, wird uns in allem gleich, außer der Sünde, wie Paulus in seinem Brief an die Philipper schreibt. Johannes weiß, dass es nicht seine Aufgabe ist, den Messias zu taufen. Er weigert sich, er will es nicht zulassen. Jesus aber drängt ihn dazu. Er will die alten Verhältnisse durchbrechen, die von Macht und Ansehen geprägt sind. Der sündenlose Jesus müsste eigentlich gar nicht getauft werden, er hat die Umkehrtaufe des Johannes nicht nötig. Jesus entkräftet das Argument des Täufers mit einem Hinweis auf die „Erfüllung der Gerechtigkeit“. Die Taufe Jesu wird nicht geschildert, vielmehr stellt Matthäus das Offenbarungsgeschehen heraus. Der Himmel öffnet sich – ein Motiv, wie es in der Prophetie häufig vorkommt – und der Geist kommt in Gestalt einer Taube auf Jesus herab – möglicherweise ein Anklang an die Schöpfungserzählung in Genesis: „und Gottes Geist schwebte über dem Wasser“ (Gen.1: 2). Der Ruf der Himmelsstimme lässt Ps.2:7 anklingen: „Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt“.

Einige Interpreten betonen hier die Menschlichkeit Gottes, seine Solidarität mit uns. Gott ist so menschlich, das er unsere Menschenwege mitgeht, egal wohin sie auch führen. In Jesus ist Gott einer von uns geworden. Gott wird ein Kind, das in einem Stall in einer Krippe liegt. Hauptsächlich in der Nacht von Bethlehem zeigt sich die Menschlichkeit unseres Gottes in ganz besonderer Weise. Selbst die Umkehrtaufe, die Jesus gewiss nicht nötig hätte, lässt er sich spenden. Jesus will damit die völlige Identifizierung mit den Menschen zum Ausdruck bringen. Er ist ganz uns Menschen gleich – außer der Sünde. Und wie gleich er uns Menschen wird, das offenbart sich in seinem Sterben am Kreuz. Selbst die dunkle Nacht des Todes nimmt er auf sich, um uns gleich zu sein.

Oder wollte Jesus die weltliche kulturelle Ordnung umkippen?   Die Fronten sind im heutigen Evangelium eigentlich geklärt: Johannes müsste sich von Jesus taufen lassen, der Diener vom Herrn, der Kleinere vom Größeren. Doch schon in der Taufperikope kehren sich die Verhältnisse um. Wie Jesus selbst am Ende seines Lebens bei der Fußwaschung sagt: er ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen – seine Herrschaft ist eine, die in der Zurückhaltung und in der Ohnmacht offenbar wird.

Die Begründung von Jesus im Dialog mit Johannes, warum er sich der Taufe unterziehen lassen will, nämlich zur „Erfüllung der Gerechtigkeit“ wird auch heute von Theologen kontrovers diskutiert. Was damit genau gemeint ist, bleibt innerhalb der Erzählung offen. Doch immer wieder hat Jesus betont, dass er gekommen ist um die Prophetie zu erfüllen. Seine Taufe ist für die Menschheit Stellvertretend. Vom Gottesknecht hat Jesaja im Alten Testament verkündet: „er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen… der Herr lud auf ihn die Schuld von uns allen“ (Jes.53“ 4f). Später hat Paulus von Jesus behaupten können: „Gott hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit in ihm Gerechtigkeit Gottes würde“ (2Kor.5:21). Johannes der Täufer bezeugt, dass Jesus der Messias ist, mit folgenden Worten: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ (Jn. 1:29). Weil Jesus sich entschieden hat, sich ganz mit der Menschheit zu identifizieren, hat er sich taufen lassen und durch seinen Tod und seine Auferstehung die Sünden der Welt getilgt. Das hat der Kirchenvater Gregor von Nazianz einmal wie folgt formuliert: „Was nicht angenommen ist, ist auch nicht erlöst“. Objektiv gesehen ist jede Sünde der Welt vergeben. Subjektiv gesehen muss aber jede und jeder noch ihr bzw. sein eigenes „Ja“ sagen. Das tut man durch die Taufe. Gott hat unser Menschsein ganz und gar angenommen – mit allen Höhen und Tiefen, mit all dem, was dazugehört. Er ist ja einer von uns geworden