Predigten

PFINGSTSONNTAG A: “DIE HEILIGE UNZUFRIEDENHEIT”

n   LUKE MBEFO, C.S.Sp.

Ich finde es wirklich schwer in Deutschland über den Heiligen Geist zu sprechen. Mit so vielen Verbotsschildern fast an jeder Ecke und genauen Reinheits –und Hygienevorschriften im Herstellungsprozess in der Industrie sind auf perfekte Weise Sicherheit und Stabilität gewährleistet. Die vermeintliche Berechenbarkeit bei Einhaltung von Regeln wird in Deutschland sehr geschätzt. Bei der Fußball Weltmeisterschaft hier in Deutschland hat ein Besuch aus Argentinien Bedauern empfunden, dass man mit der Polizei in Deutschland nicht handeln kann. Der Heilige Geist aber ist unberechenbar; er ist der Gott der Überraschungen. Jesus vergleicht ihn mit dem Wind: „Der Wind weht, wo er will: du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht“ (Jn.3:8). Neulich hat jemand den Papst als unordentlich kritisiert. Und wie war seine Antwort darauf? Der Kritiker soll die Apostelgeschichte lesen, ob dort die Ordnung des Heiligen Geistes zu finden ist!  Vielleicht trägt deswegen ein Cartoon von Thomas Plassmann den Untertitel: „Begrüßen sie mit mir heute den bedeutendsten Influencer in unserer Mitte – den Heiligen Geist!“ Damit hat der Karikaturist die große Bedeutung des Heiligen Geistes aufgezeigt.

„Influencer“ ist ein Begriff aus den sozialen Medien und bezeichnet Menschen, die aufgrund ihres starken Präsenz und ihres hohen Ansehens großen Einfluss als Botschafter für Marken, aber auch für Überzeugungen, ausüben. Der Heilige Geist ist die treibende Kraft, oder besser gesagt der Turbo, der  hinter der Ausbreitung des Jesus Evangeliums steht. Seine Botschaft hat sich rasant ausgedehnt und sie breitet sich weiter aus: durch Menschen. Nämlich durch Menschen, die die Botschaft annehmen, glaubwürdig bezeugen und weitergeben. Durch Sie und mich. Unser Leben sorgt für die starke Präsenz und das hohe Ansehen des Heiligen Geistes. Weil wir diesen Geist empfangen haben. Weil wir diesen Geist immer wieder neu empfangen.

Als Paulus, ein Apostel, der vom Heiligen Geist angetrieben wurde, nach Ephesus kam, traf er einige Jünger und fragte sie: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen als ihr gläubig wurdet? Sie antworteten ihm: Wir haben noch nicht einmal gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt“ (Apostlg. 19:1f.) Heute ist eine solche Antwort unvorstellbar, denn man kann überall auf Pfingstkirchen, genauso wie am Fernseher Kanäle, treffen. Unbändig aber ist das Wirken des Geistes. In der Heilsgeschichte gehört die Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und die Pleroma (das heißt, das Ende der Welt) dem Heiligen Geist.  Am ersten Pfingsten ist er als  ein heftiger Sturm und als Feuerzungen vom Himmel erschienen. Als Jesus von Johannes getauft wurde, ist er als ein Taube  gekommen. Er ist auf den Widerstand einiger gesetzlicher Judenchristen gestoßen, als über den heidnischen Konvertiten Kornelius auch der Heilige Geist ausgegossen wurde. Hier wird deutlich, er macht keinen Unterschied, schon damals nicht zwischen Judenchristen und Heidenchristen. Als Petrus vor der Gemeinde in Jerusalem Rechenschaft ablegte, sagte er: „Während ich redete, kam der Heilige Geist auf sie herab, wie am Anfang auf uns… Wenn nun Gott ihnen…. die gleiche Gabe verlieren hat wie uns, wer bin ich, dass ich Gott hindern könnte?“ (Apostlg. 11:15).

Mit Recht hat ein Kommentator geschrieben: „Wer um  den Heiligen Geist betet, begibt sich in Gefahr, angesteckt zu werden mit „heiliger Unzufriedenheit“. Wer möchte, dass alles beim Alten bleibt, soll nicht um den Heiligen Geist beten. Wo die Bibel vom Heiligen Geist redet, geht es meist um überraschende Erfahrungen. Die allererste Nennung sieht ihn zu Beginn der Schöpfung über den Wassern der Urflut schweben. Er ist nicht drin im Durcheinander, sondern „steht drüber“. Er formt und beflügelt Propheten zum störenden Auftritt. Er sucht nicht Harmonie, sondern Wahrhaftigkeit. Er lenkt Könige, die sich von ihm leiten lassen zu gerechtem Regieren. Er hält es nicht mit der Macht, sondern macht sie zur Dienerin der Gerechtigkeit. Er begabt Weisheitslehrer zum Gespräch mit den führenden Philosophen und Denkern. Er verliert sich nicht in der Theorie, sondern will eine kluge, durchdachte Praxis. Er weckt Fromme aus dem gewohnten Trott und hinterfragt ihre Riten. Er lässt der Kraft Gottes freien Lauf.  Er ist salopp gesagt die „heilige Unzufriedenheit“. Wollen wir uns vom Heiligen Geist in unserer Zeit leiten lassen?  Der Apostel Paulus schreibt an die Römer: „Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne (Kinder) Gottes“ (Röm.8:14).