Predigten

28 SONNTAG IM JAHRESKREIS C: VORURTEILE ABBAUEN.

n   LUKE MBEFO, C.S.Sp.


„Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?“ (Lk.17;18). Die Juden waren über ihrer Erwählung sehr stolz, das wissen wir alle. Sie sind Kinder Abrahams, das erwählte Volk Gottes. Paulus bietet in seinem Brief an die Römer den Grund ihres Stolzes an: „Sie sind Israeliten; damit   haben sie die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die Bundesordnungen, ihnen ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen, sie haben die Väter, und dem Fleisch nach entstammt ihnen der Christus, der über allem als Gott steht“ (Rom. 9:4-5). Sie haben ihre Erwählung als ausschließlich verstanden. Nur allmählich kam Petrus zu der Wahrheit, z. B., dass die andern Völker im Heilsplan Gottes inbegriffen sind. Bei seinem Besuch bei dem Hauptmann Kornelius erfuhr er: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was Recht ist“ (Apgesch. 10:34). Offensichtlich, hat im heutigen Evangelium ein Mann das getan hat, was Recht ist. „Dieser Mann war ein Samariter“ und kein Jude. Er war einer, der für Juden grundsätzlich, „nicht ganz sauber“ ist. Ein Fremder, ein halber Heide.

Vor einem namenlosen Dorf und unterwegs nach Jerusalem trifft Jesus auf eine Gruppe von Männern, die ein Hautausschlag von der Gesellschaft und vom Kult isoliert.   Einer der zehn, erfahren wir am Ende, ist Samariter. Sie bilden im Leiden eine Solidargemeinschaft, die unter Gesunden nicht möglich wäre, weil der Mann aus Samaria ja als „Halb Heide“ und unrein gilt. Im Johannesevangelium waren die Apostel z. B. erstaunt, dass Jesus ein unterhaltsames Gespräch mit einer Samariterin führte. Die samaritische Frau sagte zu Jesus: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ Der Evangelist erklärt: „Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern“ (Jn. 4:9f.). Der Prophet Elischa, der in der ersten Lesung erwähnt ist, hat in Samaria, einen der Zwölf Stämme Israels gewirkt. In der Zeit der Verbannung in Babel aber, haben die Samaritaner mit den Fremden untereinander geheiratet.   Im normalen Leben also gelten Samariter den Juden als Abtrünnige: Sie haben in der Zeit Fremdherrschaft nicht den reinen Glauben bewahrt und sind darum vom Tempelkult in Jerusalem ausgeschlossen. Man vermied den Kontakt mit ihnen. Die Samariter haben sich revanchiert. Einmal, schickte Jesus Boten, in ein samaritisches Dorf vor sich als er unterwegs nach Jerusalem war um eine Unterkunft für ihn zu besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf. Zwei seiner Jünger sagten zu Jesus: „Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?“ (LK. 9:52f). Solche Feindlichkeit war die Situation zwischen den beiden Völkern. Jesus aber machte nicht mit. Im Gegenteil, er baute Brücken zwischen Beiden; z. B., nimmt er einen barmherzigen Samariter als Vorbild zu der Frage: Wer ist mein Nächster? (Lk.10:29). Und heute ist auch ein Samariter, ein Fremder, das Vorbild der Dankbarkeit.

Die zehn aber hatten zusammengefunden, ihr Ausschluss hat sie zu einer Not- und Schicksalsgemeinschaft vereint. Gemeinsam rufen sie Jesus um Hilfe an, nennen ihn „Meister“, wie es sonst im Lukasevangelium nur die Jünger tun. Jesus spricht kein Machtwort, berührt sie nicht, ruft ihnen nur von weitem zu: Geht, zeigt euch den Priestern! Und es geschieht das erste Wunder: Sie gehen! Gehen los auf Jesus Wort hin! Das heißt Glaube! Los gehen im Vertrauen, dass Jesus Wort nicht leeres Gerede ist, sondern dass sich etwas tun wird. Nach jüdischem Verständnis müssen sie nach Jerusalem, zum Tempel. Dort sind die Priester, die allein zuständig sind in Sachen Aussatz. Nur sie können jemand, der befallen war, für rein erklären. Und dann – dann gehören sie endlich wieder dem Leben!

Einer aber zögert. Was soll er in Jerusalem? Warum sich den Priestern zeigen? Er ist und bleibt ein Samariter – und damit unrein von Grund auf. Aber sein Aussatz schwindet. Plötzlich weiß dieser Mann, was er zu tun hat: Auf der Stelle kehrt er um und geht, ja läuft zurück zum Ort der Begegnung, laut singend und Gott lobend. Er findet Jesus, fällt ihm zu Füßen und dankt. Gratis hat er sie geheilt, umsonst. Aber Jesus, der Kraft Gottes, zu danken, dazu sind sie noch nicht befreit. „Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind die neun? Ist keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer dieser Fremde?“ Von den Fremden unter uns können wir vielleicht etwas lehnen.

Wir feiern jetzt Eucharistie – Danksagung. Wie sehr sich Jesus freut, wenn wir ihm danken! Gratis, ganz ohne Gegenleistung schenkt er seine Liebe. Wer spürt: Dafür will und muss ich ihm danken!, der antwortet mit Liebe, der glaubt an ihn, der ist gerettet. Gratis. Amen