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Predigten

SPIRITUALITÄT IN EINER ZEIT DER CORONAVIRUSEPIDEMIE: IMPULSE.

n   LUKE MBEFO, C.S.Sp.


STERNDEUTUNG: Das Vater Unser nach Jürgen Böhm .

                                                         P. LUKAS MBEFO, C.S.Sp.

Interessant! Bevor das Evangelium in Europa ankam, tritt eine afrikanische Wahrheitslehre bereits in der Bibel ein. Eine Geschichte in der Apostelgeschichte erzählt, wie der Apostel Philippus sich auf Anweisung eines Engels, in die Wüste zu Gaza, begibt. Dort trifft er auf den Hofbeamten der Königin Kandake aus Äthiopien, der ins Alte Testament vertieft ist. „Verstehst du auch, was du liest?“ fragte der Apostel Philippus. „Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet?“ War die Antwort des Äthiopiers. In einer ähnlichen Situation befand sich vor kurzem eine Gruppe im Elisabethhaus in Bad Sooden-Allendorf, als der Freizeitmaler Jürgen Böhm ihnen sein Gemälde mit dem Titel „Das Vaterunser – gebet“ vorstellte. Farbenfroh mit versteckten Herzen und verschiedene Tieren will er die Barmherzigkeit und Allgegenwart des Vaters andeuten. Der berühmte deutsche Theologe Karl Rahner argumentiert, dass der zukünftige Christ ein Mystiker sein müsse. Der Künstler Böhm scheint ein Mystiker zu sein. Er hat wohl in seinem Leben, seinem Alltag eine religiöse Erfahrung gemacht, die er in seinem Bild versucht darzustellen. Dass er Gott als barmherzig sieht, ist gar nicht willkürlich. Auch Lukas betont, dass Jesus immer wieder lehrte, dass seine Jünger so barmherzig wie Gott sein sollten. Die Gegenwart der Wolken und der Tiere im Bild dieses Malers verkünden die Botschaft des Alten Testaments: „Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, vom Werk seiner Hände kündet das Firmament“. Der strenge Naturwissenschaftler kann diese Behauptung nicht nachvollziehen. Auch anderer Künstler im musikalischen Bereich wie Ludwig van Beethoven oder Josef Hayden haben ähnliche religiöse Erfahrungen in ihrer Musik zum Ausdruck gebracht.  Unser Maler Böhm präsentierte uns eine malerische Perspektive auf das „Vaterunser – Gebet“. Ohne seinen Vortrag hätten wir die Aussage des Bildes nicht entdecken können. Deswegen soll man etwas Ehrfurcht und Respekt gegenüber fremden Kunstwerken zeigen. Ein Kunstwerk ist die Schöpfung des menschlichen Geistes. Es ist der Ausdruck eines Sinngehalts. Die Grundidee, die hinter der Malerei versteckt ist, ist nicht immer leicht zu entdecken.

Genau hier kommt der afrikanische Weisheitsspruch ins Spiel und zur Geltung. Neulich hat ein europäischer Eiferer bei der Amazonas Synode in Rom ein Heiligtum der Südamerikaner in den Fluss Tiber geworfen. Da setzte er eine gewisse Überheblichkeit fort, die auch bei den früheren Missionaren in der Kolonialzeit zu finden war. Afrikanische Kunstwerke wurden als Teufelsverehrung angesehen und verbrannt. Auch andere „Eroberer“ haben der afrikanischen Kunst keinen Respekt gezollt und sie einfach den einheimischen Völkern weggenommen und sie in die Museen nach Europa gebracht. Solche Transporte hat auch Napoleon mit wertvollen Sachen aus Ägypten organisiert.  Afrikaner besuchen nun die Museen der Hauptstädte Europas, um die Kunstgegenstände und Kunstwerke ihrer Vorfahren anzuschauen. Ihr geistiges Erbe wurde ausgebeutet und sie wurden als abergläubisch bezeichnet. Hätte das Alte Testament für die heutige Coronavirus-Epidemie eine wissenschaftliche Erklärung abliefern können? Nach so vielen Jahren der kulturellen Entwicklung, bleibt die Mentalität der Menschen ganz unverändert. Vielleicht hat der Philosoph Hegel recht, wenn er doziert: Eines hat die Menschheit aus der Geschichte gelernt, nämlich, Nichts.

 

Anfangs war die Malerei das Buch der Analphabeten. Die Kirche, als Hüterin und Pflegerin der Kunst hat diesen Weg genutzt, besonders in der Zeit der italienischen Renaissance, um die Frohe Botschaft anschaulich zu vermitteln und auszubreiten. Raffael und Michelangelo haben ihre Fußspuren oder besser gesagt ihre Fingerspuren in der Sixtinische Kapelle hinterlassen. Kunsthistoriker und Touristen besuchen Rom, um diese Kunstwerke zu sehen und zu deuten. Die frühe Malerei versuchte anfangs die Natur nachzuahmen. Spätere Entwicklungen in der Kunst benötigen Erklärungen. Picasso stammt aus einer anderen Schule als Botticelli. Die Deutungen können unterschiedlich ausfallen. Man sagt, sobald ein Kunstwerk das Atelier eines Malers verlässt, bekommt es ein eigenes Leben. Es kann unabhängig vom Maler interpretiert werden. Respekt soll man also gegenüber einem Kunstwerk zeigen. Jedes Kunstwerk ist ein Beitrag zum kulturellen Welterbe. Heute haben wir eine „junge Prophetin“ aus Schweden. Greta Thunberg wird bestimmt überrascht sein, dass sie von uns Theologen als Prophetin bezeichnet wird. Doch ihr Engagement für das Ökosystem verdient sinngemäß diesen Titel. Ihre Krankheit, betont sie, macht es möglich, dass sie weitersieht als die anderen. Ihrer Meinung nach steht unsere Welt in Flammen. Wir müssen auf die Wissenschaftler hören. Unser Lebensraum ist von der Vernichtung bedroht, wenn wir unseren Lebensstil nicht grundlegend ändern. Wir haben die Natur missverstanden und ausgebeutet. Die Natur schlägt zurück. Afrikanische Naturreligionen hingegen, hegen schon immer einen großen Respekt der Natur gegenüber. Die Afrikaner sehen eine gewisse Sakramentalität in der Natur. Ernst Cassirer schreibt vom Symbolismus der Formen. Es gibt verschiedene Wege den Sinn der Dinge auszudrucken. Böhms Vater Unser bringt die Lehre der Bibel zum Ausdruck: „denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Apg. 17:28). Es scheint, dass man eine doppelte Sichtweise auf die Welt entwickeln soll, um sich die Tiefe der Dinge anzueignen: Immanenz deutet Transzendenz an! Die Sterndeuter der Bibel haben mehr als die Sterne gesehen. Sie sind diesem Stern gefolgt und haben den Retter der Welt in Bethlehem gefunden. Der Glaube verdient einen Pluspunkt in der menschlichen Existenz. 


IMPULS

Selbstverständlich vermissen wir unsere Sonntagsversammlung als Volk Gottes. „Denn   wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt. 18:20). Es gehört zu der Tradition der Kirche sich „am ersten Wochentag“ zu versammeln (Apg. 20:7). Der Tag des Herrn ist für Christen etwas Besonderes. Wenn die Normalität fehlt, bietet die Heilige Schrift noch andere Möglichkeiten an, sich mit Gott zu treffen. Das Gebäude ist eigentlich nur Domus Ecclesiae, das Haus der Kirche. Stephanus hat bereits erklärt: „Der Höchste wohnt nicht in dem, was von Menschenhand gemacht ist“ (Apg. 7:48). Wo wohnt Gott also?

Paulus antwortet: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt?... Verherrlicht also Gott in eurem Leib!“ (1Kor.6:19 +). Bei dem Gespräch, wahrlich einem Gipfeltreffen, zwischen Jesus  und der namenlosen Frau aus Samaria (eine wahre Amazone!) relativiert Jesus die beiden Kult Orte Jerusalem und Garizim und erklärt der Samariterin: „die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem dem Vater anbeten werdet… sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Jn.4:21f.). Nicht an bestimmten Orten will Gott angebetet werden, sondern im Geist und in der Wahrheit. Gott ist also überall zugänglich, auch in unserem Inneren. Zweifellos ist die Zusammenkunft in der Kirche sehr wichtig;  aber ebenso kann uns Gott in der Einsamkeit begegnen. „Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Apg. 17:28).  Wir brauchen diesen allgegenwärtigen Modus nur einzuschalten um diese weite und tiefe Spiritualität zu erfahren: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten, und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir“ (Off. 3: 20). Viel Spaß bei dieser Begegnung. Die Samariterin Amazone hat eine solche Begegnung gar nicht langweilig gefunden.

Bleiben Sie gesund .