Predigten

2. SONNTAG B DER OSTERZEIT. ZEUGNIS VON DER AUFERSTEHUNG ABGEBEN.

n   LUKE MBEFO, C.S.Sp.

Warum hat uns Johannes extra die Begegnung des zweifelnden Thomas mit dem Auferstandenen in seinem Evangelium geschildert? Diese Frage ist legitim, weil Johannes immer ganz gezielt bestimmte Ereignisse auswählte, über die er berichten wollte. Er hat nicht alles über Jesus weitererzählt, sondern er fasst das Ziel seines Evangeliums zusammen in dem Wort: „Diese (Ereignisse) aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen“ (Jn. 20:31).`Johannes wollte sagen dass die Auferstehung Christi nicht ein Märchen ist wie die Mythologie der Griechen. Viele seine Zeitgenossen damals glaubten gar nicht an die Auferstehung. Deswegen wollte er als Augenzeuge noch einmal betonen, dass es selbst unter den Aposteln von Jesu einige gab, die anfangs nicht an die Auferstehung Christi geglaubt hatten, wie zum Beispiel Thomas.

Der Apostel Paulus hatte das gleiche Problem in Korinth. Er schreibt an die Korinther: „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos“ (1Kor.15;13f). Er verteidigte sein Apostelamt, weil er den auferweckten Christus begegnet ist: „Bin ich nicht ein Apostel? Habe ich nicht Jesus, unseren Herrn, gesehen?“ (1Kor. 9:1). Die ersten Adressaten des Evangeliums hatten weder Kontakt mit dem irdischen Jesus noch mit den Aposteln und den Frauen um Jesus. Ihnen ist der Auferweckte nicht persönlich erschienen. Für sie und alle Generationen seither ist Thomas die Identiätsfigur. Sein existenzielles Fragen, ja sein Zweifel führt zum Kern des Glaubens. Glauben ist damals und heute nicht selbstverständlich, er kann nicht erzwungen werden. Zweifel spiegelt geradezu die Unglaublichkeit des Ostergeschehens. Der auferweckte Jesus lässt die Jünger nicht in ihrem Zweifel hängen. Er beweist ihnen seine neue Existenz. Seine Nähe erfüllt und befähigt sie, trotz ihrer Schwäche zu verkünden, zu lehren, und zu taufen. Beim Glauben geht es nicht um das Sehen, sondern um das Hören und Berührtsein, so dass eine persönliche Beziehung zu Gott entstehen kann. Der Philosoph Aristoteles sagt: „Wer recht erkennen will, muss zuvor in richtiger Weise gezweifelt haben“. Und der mittelalterliche Theologe Abaelard schreibt: „Durch Zweifel kommen wir zur Untersuchung; in der Untersuchung erfassen wir die Wahrheit“.

Die Apostelgeschichte berichtet wie die christliche Urgemeinde Zeugnis von der Auferstehung ablegte. Heute würde man ihr Zeugnis mit dem Wort „Solidarität‘ bezeichnen. „Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte“. Heute scheint ein solches Verhalten utopisch. Wie lebten sie weiter, wenn sie alles abgegeben hatten? Einer meiner Tennispartner sagte einmal, er sei aus der Kirche ausgetreten wegen der Kirchensteuer. Über ein jüngeres Dokument des Papstes, namens „Fratelli tutti“, sind heftige Debatten entbrannt, ob es richtig ist, was Franziskus dort sagt, dass „das Recht auf Privatbesitz niemals absolut ist“. Die Enzyklika betont „die soziale Funktion jeder Form von Privateigentum“, das heißt: Wer etwas besitzt, trägt Verantwortung für den, der nichts hat. Die einen finden diese Aussage visionär; manche sehen sie nah am Kommunismus.

Die deutsche Kirche hat Wege der Solidarität gefunden. Fast jeden Sonntag gibt es hier in der Gemeinde Kollekten für einen guten Zweck: Missio, Misereor, Pfingsten, Christen im Heiligen Land, Priesterausbildung in Nigeria, und, und. Damit setzen wir das Beispiel des Urchristentums fort: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele“. Wir können zu Recht die Bemerkung eines heidnischen Römers wiederholen, die vom Theologen Tertulian aus Nordafrika niedergeschrieben wurde: „Sehet wie diese Christen einander lieben“. Es ist eine Liebe, die im täglichen Miteinander immer wieder einem neuen Anfang ermöglicht. Wir sollen uns um unsere Mitmenschen kümmern, weil Jesus es so will: „Liebet einander!“.