Predigten

15(B) SONNTAG. WIR ALLE SIND GESANDT.



  LUKE MBEFO, C.S.SP.

Am letzten Sonntag haben wir gehört wie Jesus in seiner Heimatstadt empfangen wurde: “sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab”. Heute hören wir vom Schicksal des Propheten Amos: der Priester des Heiligtums von Bet-el will verhindern, das Amos seine Mission verrichten kann, und weist Amos aus dem Tempel aus und legt ihm nahe: „Geh, Seher, flüchte ins Land Juda… tritt dort als Prophet auf!“. Wer als Prophet auftreten will, muss damit rechnen, dass ihn Widerstand, Spott und Ausgrenzung erwarten. Jeremiah ist ein gutes Beispiel eines solchen Schicksals. Im heutigen Evangelium wird berichtet wie Jesus die Zwölf Apostel ausgesandt hat, damit sie als Missionare der Frohen Botschaft eigene Erfahrungen sammeln.

Jesus sandte die Zwölf aus „und gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen“. Ein Vorrat an Verpflegung soll nicht mitgenommen werden, auch kein Geld. Sie sollen sich ganz darauf verlassen, dass ihnen das Lebensnotwendige schon zuteilwerden wird durch die Gnade Gottes und die Gastfreundlichkeit der Menschen, denen sie begegnen. Sie sollen zufrieden sein mit dem, was ihnen zuerst angeboten wird. Diese handfesten Regeln, die Jesus ihnen auf ihren Weg mitgibt, sind wichtig für ihre Glaubwürdigkeit. Sie sollen als gewaltlose, vertrauensvolle, bescheidene Zeugen des Reiches Gottes bei den Leuten erscheinen und so überzeugend wirken.   Wo allerdings die Botschaft Jesu abgelehnt wird, sollen die Jünger den Staub von ihren Füßen abschütteln. Es gibt auch heute noch   einige Ordensgemeinschaften, die es weiter versuchen, so einfach zu leben. Ein amerikanischer Journalist begleitete einmal Mutter Teresa von Kalkutta bei ihrer alltäglichen Zuwendung zu Kranken und Sterbenden. Er war sichtlich beeindruckt und sagte zu ihr: „Was Sie machen, würde ich nicht für eine Millionen Dollar machen“. Worauf Mutter Teresa ganz trocken erwiderte: „Ich auch nicht“.

Das alleinige Vertrauen auf Gottes Gnade und auf die Gastfreundlichkeit der Menschen scheint heutzutage ausgetrocknet zu sein. Unsere Bischöfe in Deutschland senden ihre Priester und pastoralen Mitarbeiter/-innen in die Gemeinden, Krankenhäuser, Schulen, Gefängnisse und stellen ihnen zur Verfügung: eine Dienstwohnung, ein ordentliches Gehalt, eine gute Krankenversicherung, eine sichere Altersversorgung, ein Budget, Büroräume und Personal. Die Apostel damals waren mobil. „Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie“, berichtet der Evangelist Markus. Hingegen heute bleibt ein Pfarrer manchmal über Zwanzig Jahre in einer Gemeinde. Hat Jesus diesen Zustand vorgesehen? Es scheint so zu sein. In der Nacht vor seinem Tod sprach er zu den Aposteln von der Zukunft ihrer Mission: „Als ich euch ohne Geldbeutel aussandte, ohne Vorratstasche und ohne Schuhe, habt ihr da etwa Not gelitten? Sie antworteten: Nein. Da sagte er: Jetzt aber soll der, der einen Geldbeutel hat, ihn mitnehmen und ebenso die Tasche. Wer aber kein Geld hat, soll seinen Mantel verkaufen und sich dafür ein Schwert kaufen“ (Lk.22:35f). Es kann also nicht darum gehen, das Rad der Geschichte einfach 2000 Jahre zurückzudrehen und auch heute mit wallendem Gewand, mit Wanderstab und Sandalen durch die Gemeinden zu laufen. Das empfiehlt sich schon aus praktischen Gründen nicht – in Deutschland herrscht nun mal ein anderes Klima als im Heiligen Land. Unser Papst Franziskus aber will mit seinem bescheidenen Lebensstil diese Einfachheit der Urkirche wieder in Erinnerung rufen. Jesus und die Urkirche sind und bleiben der Maßstab auch für die Herausforderungen unserer Zeit. Wir alle sind Missionare Gottes.

Vielleicht müssen wir heutige Jünger Jesu zurück auf die Schulbank, neu in die Lehre gehen bei unserem Meister und seinen ersten Jüngern; sowohl, was seine Begeisterung für das Reich Gottes betrifft, wie auch seine schlichte Art, diese an Menschen weiterzugeben.

Der englische Philosoph und Theologe, John Henry Newman, der später Kardinal der katholischen Kirche wurde, hat ein Gebet verfasst, das uns helfen könnte, gut als Missionare des Reiches Gottes zu funktionieren:

  „Herr, hilf mir, deine Strahlkraft überall zu verbreiten. Überflute meine Seele mit deiner Herrlichkeit, deinem Geist und deinem Leben. Durchdringe und beherrsche mein ganzes Sein so vollständig, das mein Leben ein Abglanz deines Lebens wird. Leuchte durch mich und sei so in mir, dass jeder, mit dem ich in Berührung komme, deine Gegenwart in meiner Seele spüre. Lass mich mein Ich vergessen, nur zu dir will ich aufsehen, Jesus.“