Predigten

2 FASTENSONNTAG (B): DIE VERKLÄRUNG DES HERRN.


                                                            --   LUKE MBEFO, C.S.Sp.


Plötzlich sahen die drei Apostel Jesus wie sie ihn nie zuvor gesehen haben. Mit ihm ist etwas geschehen was man im Griechischen als Metamorphosis bezeichnet oder auf Latein, Transfiguratio nennt. Das heißt, Jesus wurde vor ihnen in eine „Lichtgestalt“ verwandelt. Jetzt befanden sich Petrus, Jakobus und Johannes auf einer anderen Ebene der Gottesbegegnung. In der heutigen Lesung macht auch Abraham auf dem Berg eine neue Gotteserfahrung bei der Opferszene. Später in der Entfaltung der Heilsgeschichte hatte auch Mose Gott in einem brennenden Dornbusch erlebt und diese erhabene Gottesbegegnung hat seinem Leben eine ungeahnte Richtung gegeben. Die drei Apostel waren außer sich und wollten die Begegnung dauerhaft machen, sie sollte kein Ende mehr finden: „Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen“. Warum hat die Verklärung stattgefunden? Warum hat Jesus nur diese drei Jünger zu diesem außergewöhnlichen Gipfeltreffen auf dem Berg und anderswo mitgenommen? So hat er es auch gemacht bei der Auferweckung der Tochter des Jairus (Mk 5:37), bei der Ölbergrede (Mk 13:3) und in Gethsemane (Mk 14:33). Waren da die anderen Neun nicht eifersüchtig?

Manchmal befinden wir uns in Glaubensdingen in einer Situation der Entscheidung wie Hamlet, der Prinz von Dänemark, in Shakespeares Drama. So wie Hamlet am Anfang des Dramas fragen wir uns: “To be or not to be?“ Das heißt:   Seien oder nicht seien? Weitermachen oder Schluss damit? Einige Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, haben sich wohl auch vor ihrer Entscheidung diese Frage gestellt. Im Leben Jesu gibt es eine ähnliche problematische Entscheidungssituation für seine Begleiter. Seine Mitbürger in Nazareth, zum Beispiel, haben ihn nicht akzeptiert. Später als er vom Brot des Lebens gesprochen hat, ist danach eine Krise unter seiner Gefolgschaft entstanden: Viele seiner Jünger sagten: Was er sagt ist unerträglich. Und es wird berichtet: Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher (Jn.6:66). Der Glaube braucht offensichtlich empirische Hilfe um standhaft zu bleiben. Deshalb können die Berichte aus der Heilsgeschichte über Gottesbegegnungen, eine Unterstützung oder eine Hilfestellung für unseren Glauben und für unser Gottesbild sein. Wegen der privilegierten Stellung der drei Apostel, hat ihr Zeugnis im Urchristentum eine wichtige Rolle gespielt. Jakobus war der erste Apostel, der wegen seines Bekenntnisses für Christus ermordet wurde. Trotz Druck der Jerusalemer Obrigkeit haben sie mit Mut geantwortet: „Ob es vor Gott recht ist, mehr auf euch zu hören als auf Gott, das entscheidet selbst. Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg. 4:19f). In der Einleitung zu seinem ersten Brief betonte Johannes diese persönliche Begegnung mit Jesus: “Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir“ (1Jn1:1). Petrus benutzte diese Verklärungsszene als Rüstzeug um von Gottes Macht zu sprechen und dadurch Zuversicht zu vermitteln: „Jesus hat von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit empfangen; denn er hörte die Stimme der erhabenen Herrlichkeit, die zu ihm sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren. Dadurch ist das Wort der Propheten für uns noch sicherer geworden, und ihr tut gut daran, es zu beachten…“ (2 Pt. 1:17f).

Heute bei Gebetstreffen ist der Austausch von persönlichen Glaubenserfahrungen ein Element des Ablaufs. Durch das Erzählen ihrer persönlichen Begegnung mit Gott wollen sie den Teilnehmern helfen, ihren Glauben zu festigen, sogenannte „Testimonies“. Als Paulus über Jesus von Nazareth sprach,   betonte er: „Er   war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und dem Mensch gleich“. Bei der Verklärung erscheint Jesus in göttlicher Würde. Für einen Augenblick wird sichtbar: Jesus ist mehr als ein Mensch. Da schimmert die Herrlichkeit (griechisch: doxa) durch, um die Jesus in Joh 17:5 bat: “Verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war“. Wir können nur entfernt erahnen, wie sich die Herrlichkeit in Gottes vollkommener Welt anfühlen wird. Petrus, Jakobus und Johannes werden später Jesus Erniedrigung während der Passion erleben. Sie sind im Voraus auf seine Leidensgeschichte vorbereitet und werden Zeugnis abgeben, dass der leidende Jesus von Nazareth tatsächlich der Sohn Gottes ist. Das haben sie am heiligen Berg gesehen. Mose und Elijah treten dort oben auch auf um erstens einmal zu zeigen, dass die Toten nicht tot sind. Und zweitens, um die wahre Identität Jesus zu deuten: Er ist der Messias. Bis dahin haben sich gottesfürchtige Juden an das Gesetz von Mose und an die Aussagen der Propheten gehalten. Von jetzt an sind die beiden Protagonisten Mose und Elijah flankierende Randfiguren. Ab jetzt steht das Evangelium Jesu im Mittelpunk. Bisher heißt es: Hört auf das Gesetz und auf die Propheten! Nun heißt es: Auf Jesus sollt ihr hören! Er überbietet alles, was gewesen ist. Er ist Gottes Botschaft. All dies war nicht nur eine Bestärkung für die Jünger, sondern auch für Jesus selbst im Zugehen auf die dramatischen Ereignisse in Jerusalem, über die er bereits offen gesprochen hatte.

Fazit:   Was bedeutet all das für unseren Glauben und für unser Leben? Wir müssen uns unsere Überzeugung über das Geheimnis Gottes persönlich erarbeiten. Vielleicht sollen wir uns gelegentlich zweckfreie Zeit nehmen und einen Ort finden, wo die Seele schwingen kann. Wo wir ruhig werden, zur Besinnung kommen, ganz bei uns sind und der Stimme Gottes in der Tiefe unseres Herzens eine Chance geben, gehört zu werden. Natürlich sind religiöse Angebote wie Exerzitien oder Einkehrtage eine Möglichkeit. Aber nicht nur! Für Jesus war es auch die Natur: die Einsamkeit der Wüste, oder das Verweilen in der Nähe eines Sees, auf einem Berg oder an einem verborgenen Ort frühmorgens. Der Psalmist kann berichten: ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat“ (Ps. 121:1-2). Sich bewusst solche Auszeiten zu nehmen und offen zu sein für die Nähe Gottes, ist ein wichtiger Impuls des heutigen Festes der Verklärung Christi für die Fastenzeit – und fürs Leben.