Predigten

3. ADVENT (C) SONNTAG: FREUT EUCH!

n   LUKE MBEFO, C.S.Sp.


Brauchen wir eine Einladung dazu, uns zu freuen? Warum laden uns die Texte der Liturgie heute wiederholt ein, uns doch zu freuen? Auch die liturgische Farbe rosa ist dieser positiven Stimmung angepasst. Der Prophet Zefanja ermutigt uns in der ersten Lesung und verkündet: „Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem!“ Vielleicht erkennen viele von uns hier die Quelle des feierlichen unterhaltungsvollen Weinachts-Oratoriums von Bach. Auch Paulus ermuntert uns: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ Der dritte Adventssonntag hat einen besonderen Namen. Gaudete heißt er. Das ist lateinisch und bedeutet auf Deutsch: „Freut euch!“ Auch in der Fastenzeit heißt der mittlere Sonntag Laetare Sonntag. Und das ist ebenso ein Jubelruf. Irgendwie findet der christliche Glaube immer einen Grund zum Jubeln inmitten der Tragödie. So wird es auch schon in den Seligpreisungen vermeldet: „Freut euch und jubelt, wenn man euch verfolgt“. Das sagt Jesus denen, die um seinetwillen „verfolgt oder gedemütigt werden“. Gelassenheit, ja!   Freude sollen die Jünger Christi ausstrahlen.   Nicht nur ein bisschen und im stillen Kämmerlein, sondern aus ganzem Herzen – trotz allem, was an Leid und Not in der Welt ist, was in eurem Leben nicht gut läuft und euch Kopfzerbrechen verursacht. „Freut euch!“ Denn es gibt einen Gott, der euren Lebensweg mit euch geht. Immer! Das ist ein Grund zur Freude, und wo wir die Freude nicht in den Blick bekommen, dürfen wir Gott bitten, dass er uns die Augen öffnet.

Tochter Zion soll sich freuen weil das Ende ihrer Gefangenschaft nahe ist. Die Philipper sollen sich freuen weil der Herr nahe ist. Paulus schreibt, seinen möglichen baldigen Tod vor Augen, aus dem Gefängnis an die Gemeinde von Philippi: „Der Herr ist nahe“. Er war nicht sicher, ob er mit dem Leben davonkommt. Trotzdem spricht er von der Freude. Warum? Die Nähe Christi bedeutet Freude und Frieden. Beides wünscht er seiner Gemeinde. Übrigens, Er selbst hat von der Frucht des Geistes geschrieben. Jede/Jeder Christ ist ein Tempel des Geistes. Und zu den Früchten des Geistes zählen, „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Sanftmut“ (Galater 5:22). Am eigenem Leibe hat er Freude erfahren.   An die Kolosser schreibt er: „Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an dem Leiden Christi noch fehlt“ (Kol. 1:24). An die Römer schreibt er: “Mehr noch, wir rühmen uns ebenso unserer Bedrängnis… denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“ (Rom. 5:3). Die Freude gehört ganz elementar in die Beziehung zwischen Gott und Mensch: Gottes Freude an den Menschen, die er geschaffen hat und liebt, und die Freude der Menschen über einen Gott, der ihnen nahe ist und sich um ihre Not sorgt.   Aus dieser Beziehung erwächst auch den Mitmenschen gegenüber ein Verhalten, in dem Misshandlung und Erpressung keinen Platz haben. Wenn der Christ im Herzen bewusst lebt, dass sie/er die Wohnung des Heiligen Geistes ist, können wir in die Welt als „Gott-mit-uns“ weitergehen.

Papst Franziskus begann ein Apostolisches Schreiben in diesem Frühjahr mit den Wörtern „Gaudete et exsultate“ das heißt übersetzt „freut euch und jubelt“. Das ist ein Zitat aus den Seligpreisungen der Bergpredigt. Hiermit will er sagen: Wer christlich lebt, tut dies nicht in einer gemütlichen Ecke der Erde, wo er oder sie auf das Ende und die ewige Glückseligkeit zu warten hat. Im Gegenteil: Heiligkeit muss sich in der Welt bewähren. Der Herr, so Franziskus, „will, dass wir heilig sind, und erwartet mehr von uns, als dass wir uns mit einer mittelmäßigen, verwässerten, flüchtigen Existenz zufriedengeben“. Durch das gesamte Lehrschreiben zieht sich wie ein roter Faden, dass genau das der Grund zur Freude ist: aktiv werden zu können aus dem Geist der Heiligkeit heraus, die Welt zu gestalten, als christlicher Mensch eben auch gegen Wiederstand. Und dies mit Gelassenheit und Freude im Herzen!