Predigten

12 SONNTAG C IM JARESKREIS: BETET ALLEZEIT.

n   LUKE MBEFO, C.S.Sp.


Der Evangelist Lukas leitet eine Reihe von Gleichnissen mit den Worten ein: „Jesus sagte ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten” (Lk. 18:1). Beim Abendmahl hat sich Jesus bei seinen Jüngern bedankt: „In allen meinen Prüfungen habt ihr bei mir ausgeharrt. Darum vermache ich euch das Reich…“ (Lk. 18:1). Diese Prüfungen sind das tägliche Kreuz und Jesus hat es selbst getragen.   Weil Jesus das Kreuz vor ihnen getragen hat, erwartet er dies auch von seinen engsten Vertrauten. Er verlangt nicht mehr von seinen Aposteln, als was er selbst getan hat. Wer Jesus nachfolgt wird dem Kreuz begegnen, das heißt, er wird nicht von Leid und Krankheit bewahrt werden. Huston Smith, der berühmte Schriftsteller von The World’s Religions meinte, dass Jesus seinen Auftrag und seine Mission nicht hätte erfüllen können, wenn er nicht so viel gebetet hätte. Vom Gebet bekam er die Kraft Widerstände zu überwinden. So fängt unser heutiger Text mit der Bemerkung an: „In jener Zeit betete Jesus für sich allein…“ (Lk. 9:18). Das christliche Leben ist ohne Gebet unvorstellbar.

Bei Lukas hat das Gebet oberste Priorität. Der betende Jesus ist in seinem Evangelium immer präsent: Jesus zieht sich zum Gebet zurück, verbringt die Nacht im Gebet vor der Erwählung der Zwölf, vor der Befragung der Jünger, in der dunklen Stunde im Garten Getsemani; er betet noch am Kreuz. Die Jünger erleben dieses Beten. Als Juden beten sie selbstverständlich, aber Jesus Beten weckt ihre Sehnsucht, zu beten wie er: Herr, lehre uns beten. Lukas kann sich Nachfolge ohne Gebet nicht vorstellen. Nur betend können sich Menschen für den Glauben entscheiden, im Glauben leben oder in der Verfolgung bestehen.

Wir werden nicht verfolgt aber im Abendland werden wir eher als rückständig belächelt. Denn Glaube kommt im modernen Leben nicht vor. Die kirchlichen Riten wollen viele Menschen nicht missen, auch wenn ihnen der Inhalt   fremd bleibt. Im Alltag leben sie so, als gäbe es Gott nicht. Und spirituell Suchende erwarten von der Kirche nichts. Was sie zur Befriedigung ihrer spirituellen Wünsche brauchen, meinen sie anderswo besser zu finden. Das Evangelium fordert ein überzeugtes Bekenntnis.   Als Jesus die Frage an seine Apostel stellte: „Für wen halten mich die Leute?“, wollte er nicht eine Meinungsumfrage starten und die   Frage stellte er auch nicht wegen mangelnder Selbstsicherheit wie der deutsche Exeget Rudolf Bultmann von Marburg meinte. Genauso deutet der jüdische Denker und Dichter Schalom Ben-Chorin, diese als eine Verwirrtheit eines Menschen, der tief in das Abenteuer des Glaubens verstrickt ist, und in seinem Innern die Frage nach seiner eigenen Existenz und ihrem Geheimnis stellt. Es geht um die menschliche Seite Jesu, meint er.

Im Gegenteil, Jesus fordert seine Jünger auf, Farbe zu bekennen, was und wer er für sie ist. Zunächst betroffenes Schweigen. Was sollen sie sagen? Ist die Meinung der Leute auch ihre Meinung? In Kapitel 9,7f. hatte sich Herodes nach Jesus erkundigt und erhält die Antworten, die nun auch die Jünger vorbringen. Sind sie in ihrer   Meinung gespalten? Da durchbricht Petrus das lähmende Schweigen. Er macht sich, wie so oft, zum Sprecher der Apostel.   Die zweite persönliche Frage beantwortet Petrus. „Wir halten dich für den Messias“. Hier wird deutlich, dass sie die Sendung Jesus wahrgenommen haben. Warum er? Wohl, weil er immer als Erster genannt wird: bei der Berufung der ersten vier Jünger, bei der Einsetzung der Zwölf und er geht allein zum leeren Grab. Diesen wichtigen Augenblick bewahren die ersten christlichen Generationen für alle späteren Nachfolger Jesu. Wie die Jünger müssen auch sie sich entscheiden: für oder gegen Jesus. Die ersten Jünger haben Jesus persönlich gekannt, wir Späteren lernen Jesus durch das Glaubenszeugnis anderer Menschen kennen. Jeder Einzelne aber kann nur zum Glauben finden, wenn er zu einer lebendigen Begegnung mit Jesus gelangt. Anders ist Glaube nicht möglich.

Lukas fügt der Leidensvorhersage hinzu, dass Jesus das Wort von der Nachfolge und Selbstverleugnung zu allen spricht.   Er sagte so seinen Gemeinden, dass die Passion auch späteren Anhängern nicht erspart bleibt. Verlangt Jesus, dass alle auch den Kreuzestod auf sich nehmen, oder hat er seinen Tod am Kreuz geahnt? Das „tägliche Kreuz“ betont die Radikalität der Nachfolge. Sie meint, das sichere Leben aufzugeben und notfalls Bürgerrechte hinter sich zu lassen. Er fährt weiter mit einer Steigerung: Der Versuch, sein eigenes Leben zu retten, fährt ins Gegenteil. Die Rettung des eigenen Lebens geschieht durch Jesus. Damals wie heute bleibt die Berufung zur Nachfolge eine Herausforderung. Deshalb soll man, wie Jesus, viel beten. Auch bei der Arbeit soll man beten: laborare est orare, sagt der Heilige Benedikt.