Predigten

20. SONNTAG C IM JAHRESKREIS: LEBENDIGER GLAUBE.

n   LUKE MBEFO, C.S.Sp.


Der Hebräerbrief spricht vom lebendigen Glauben. Um vorwärts im Glauben zu kommen, ist es auch wichtig rückwärts zu blicken. Heute ist diese Mahnung von ihm besonders passend und wir sollen uns die Warnungen im Hebräerbrief zu Herzen zu nehmen. Im nächsten Hebräerbrief 13 heißt es: „Denkt an eure Vorsteher, die euch das Wort Gottes verkündet haben; schaut auf das Ende ihres Lebens, und ahmt ihren Glauben nach!“ (Heb. 13:7). Die heutiger erste Lesung berichtet von der Gefangenschaft des Propheten Jeremiah. Auseinandersetzungen und Konflikte sind manchmal unausweichlich. Weder Jeremia noch Jesus gaben gleich auf, wenn Schwierigkeiten kamen, sondern haben ihre ganze Kraft eingesetzt, um ihren Auftrag durchzuhalten – dies ist für uns Ansporn und Verheißung. Der Prophet Jeremia hatte die Bündnispolitik Zedekias und seines Hofes, im Namen Gottes, als Weg in den Untergang kritisiert – und landete im Kerker. Der König aber wurde unsicher und wollte doch genauer hören, was der Prophet zu sagen hatte. Also gab es ein geheimes Treffen – und der König verwandelte daraufhin die Haft in Hausarrest. Jeremia nutzte die Chance und warnte das Volk erneut, ja riet zur Flucht. Da warfen ihn die Beamten wegen „Wehrkraftzersetzung“ in ein Schlammloch. Dort sollte er verhungern. Doch ein mutiger Fremder am Königshof wagte dem Weg zum König und konnte tatsächlich Jeremias Leben retten. Trotz allem, was er schon mitgemacht hatte, stand Jeremia zu Gottes Wort, das in ihm brannte, auch gegenüber dem König – der jedoch hatte Angst, sich der harten Botschaft anzuvertrauen. So steuerte Juda geradewegs in den Untergang, ins Exil von Babel. Die Rettung des Propheten haben Christen von jeher als Vorausdarstellung des Todes Jesu und seiner Auferweckung verstanden.

In der jüngsten Geschichte Deutschlands haben wir auch solche furchtlosen Propheten wie Jeremia erlebt. Dies waren mutige Menschen, die ihren Glauben öffentlich und mit Tapferkeit verteidigt haben. Zum Beispiel gab es „den Löwen von Münster“. Vor allem aufgrund seiner Predigten im Juli und August 1941, die illegal deutschlandweit verbreitet wurden, hatte dieser Kardinal Clemens August Graf von Galen die Leute ermutigt an ihrem Glauben festzuhalten. Er besaß den Löwenmut, die Rassenpolitik und die Euthanasie-Maßnahmen des NS-Regimes zu kritisieren. Weitere unerschrockene Männer waren der evangelische Pastor und Theologe Dietrich Bonhoeffer und der katholischer Bauer Franz Jägerstätter aus Braunau, die ganz klar zum Ausdruck brachten, dass Hitlerdeutschland nicht mit ihrem Glauben an den liebenden und gerechten Gott vereinbar war. Sie waren mutige Menschen. „Nicht Kerker, nicht Fesseln, auch nicht der Tod sind imstande, einen von der Liebe Gottes zu trennen“, schreibt der Bauer Franz Jägerstätter 1943 aus dem Gefängnis. Bei einer Begegnung mit Jesus ist Neutralität nicht möglich.   Diese Einstellung hilft dabei die Behauptung des Schweizer Theologen Hans Urs von Balthasar zu rechtfertigen: „Der Fall, dass einer Christus wirklich begegnet und nicht entweder anbetet oder Steine aufliest, ist im Evangelium nicht vorgesehen“. Dieses Wort macht nachdenklich. Entweder sich zu Christus bekennen oder ihn ablehnen, das ist die Entscheidung die jeder, der wirklich mit Jesus, dem Christus Gottes und seiner Botschaft in existenzieller Berührung kommt, treffen muss. Neutralität ist nicht möglich. Glaube wird so existentiell verstanden, dass er alle Lebensbereiche durchkreuzen darf. Das fordert heraus und befreit zu einem gelingenden Leben. Das heutige Evangelium also fordert jeden auf, sich für oder gegen Jesus mit allen praktischen Konsequenzen zu entscheiden. Es ist verhängnisvoll, sich nur für das Leben auf dieser Erde zu interessieren.

„Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu bringen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ Diese provokante Aussage Jesu sprengt das gängige Jesusbild: Jesus als Guter Hirte, als Heiland der Kranken, als Friedensfürst, als Freund der Kinder. Diese Bilder sind uns vertraut und auch sympathischer.

Und doch gilt, dass die Botschaft Jesu zum Heil und Gericht führt. Es ist also auch an Bestrafung zu denken. Feuer ging auf Jahwes Befehl über Sodom und Gomorra nieder und verzehrte alle Sünder und Frevler. Doch als ein samaritisches Dorf die Gastfreundschaft verweigerte, wurde Jesus von zwei seiner Apostel gefragt: „Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?“, wies er sie in die Schranken. Anderswo erläutert er: „Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird“ (Jn.3:17). Doch es gibt noch eine andere Deutung des Feuers in der Bibel. Feuer hat in der Bibel nicht nur richterliche und zerstörende Wirkung. Es wird auch als eine Erscheinungsform des Göttlichen interpretiert. Mose vor dem „brennenden Dornbusch“, zum Beispiel. Hinter dem Feuerwort Jesu steht eher der Pfingstgeist mit seinen Feuerzungen und weniger das „Fege- und Höllenfeuer“. Glühendes Lebens- und Liebesfeuer wünscht sich Jesus in jeder seiner Jüngerinnen und in jedem seiner Jünger.

Er selbst sieht im Bild der Taufe seinen eigenen Tod voraus. Gerade dieses Nebeneinander von Feuer und Taufe macht deutlich, dass wir Getaufte und Gefirmte uns „offiziell“ für Jesus entschieden haben. Nun aber haben wir die Entscheidung zu leben. Widerstände, ja Spaltung bleiben in diesem Entscheidungsprozess nicht aus – sowohl in den Familien wie im Einzelnen. Harmonie ist für Jesus nicht der höchste Wert. Also der Hebräerbrief schlägt vor: „Denkt an eure Vorsteher: nicht nur an den Propheten Jeremia; es gibt auch Graf von Galen, Bonhoeffer, Jägerstätter, und, und…!